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Buchrezension:
Barbara Sher - „Du musst dich nicht entscheiden, wenn du tausend Träume hast“
Lebensratgeber, 2006/3. Aufl. 2014, DTV, 288 Seiten, ISBN: 978-3-423-34740-2, Deutsch: Bettina Lemke - Original: "What do I do when I want to do everything?“

Thema:
Erklärung des Menschentypus “Scanner“ und Aufzeigen von Werkzeugen und Denkweisen, wie diejenigen damit umgehen können.

Verfasser der Rezension: Olaf Ventzke

 

 

 Das Buch ist in zwei Teile gegliedert:

Barbara Sher erklärt im Ersten Teil ihre Definition des Scanners. Mit Abgrenzung zu Spezialisten („Taucher“), sowie Depression, und ADS.

Die Autorin geht im zweiten Teil auf insgesamt elf verschiedene Typen von Scannern ein.

Teil 1:

Es geht um diejenigen unter uns, die Zeit ihres Lebens nach umfassendem Wissen streben und dabei immer wieder von einem Thema zum anderen wechseln und das wahllos. Und oft wird auch „mittendrin“ abgebrochen. Für alle Beteiligten meist mit Verdruss. Die Autorin versucht mit Beispielen aus ihrer Praxis dieses Phänomen nahezubringen. Diese Menschen können sich einem Thema nur eine gewisse Zeit lang widmen und müssen dann etwas anderes machen. Die Zeiträume variieren dabei mitunter erheblich. Manche Scanner greifen ältere Projekte wieder auf, andere widmen sich denen dagegen nie mehr. Dann gibt es welche, die durchaus auch in die Tiefe eines Themas vordringen können, während andere gerne an der Oberfläche bleiben. Manche fangen selten etwas an, weil zu viele Ideen Anspruch erheben. Andere hingegen beenden Projekte deshalb selten. Zusätzlich gibt sie noch Tipps wie diejenigen ein bisschen „Ordnung in ihr Chaos“ bringen können. Beispiel: Das Projektbuch. Es kann helfen sich der eigenen Vielfältigkeit bewusst zu werden. Und auch seine Gedanken zu sortieren, zu beruhigen. Es kann ja so keine Idee mehr vergessen werden! Oder wie wär‘s mit einem Regal nur für abgeschlossene Projekte? Oder ein Regal nur für Ideen, in separaten Ordnern. So kann sich der interessierte Leser sein eigenes Paket mit Werkzeugen zusammenstellen.

Teil 2:

Sie unterscheiden sich teilweise erheblich, aber allen gemeinsam ist die schnelle Auffassungsgabe und der „Durst nach Wissen“. Den Anfang macht der zyklische Scanner. Er hat verhältnismäßig wenig Interessen, zwischen denen er wechselt, nimmt diese aber immer wieder auf. Beim Doppelagenten sind es noch weniger, oft nur zwei. Der wohl am meisten verbreitete Scanner ist der Sibyllinische Typ. Dieser hat viele, verschiedene Projekte „am Laufen“. Bringt sie aber oft nicht wirklich zum Abschluss. Ist aber dennoch immer offen für neue Ideen, neue Erkenntnisse. Ganz extrem sieht man dies auch beim „Teller-Jongleur“. Hingegen die Sequenz-Scanner „bearbeiten“ ihre Themen nacheinander. Dabei kann das durchaus bis zur Meisterschaft gehen. Der „Universalist“ fühlt sich auf jedem Terrain wohl, der „Wanderer“ lässt sich von seinen Ideen treiben, manch anderer ist eher praktisch veranlagt und probiert gerne aus und der „Turbo-Wechsler“ wechselt das Thema schon, wenn er dessen Potenzial erkannt hat.

Barbara Sher gibt an, dass sie selbst aber noch keinen Scanner getroffen habe, der in nur eine dieser Schemen passt. Die meisten vereinen mehrere der Typen in sich.
Natürlich wird auch die Arbeitswelt beleuchtet. Es wird schnell deutlich, dass viele klassische Berufe oder Tätigkeiten ungeeignet sind, für Scanner. Zumindest auf Dauer. Was aber dann? Sogenannte Schirm-Berufe könnten da aushelfen. Berufe, bei denen man viele verschiedene Tätigkeiten ausführen muss. Bei denen es nie langweilig wird. Alternativ ginge noch ein einfacher Job und man erfüllt sich seine Wünsche dann in der Freizeit. Lehrende Tätigkeiten liegen bei Scannern auch hoch im Kurs. Oder der Bereich Kunst. Zum Schluss gibt die Autorin noch ein paar Tipps, wie man dauerhaft seine Talente nutzt und noch weiter ausbaut. Wichtig sei, sich niemals dabei einzuschränken, denn das mache auf Dauer einen Scanner krank.

Wie wirkt das Buch auf mich?

Nun, die Autorin (oder besser die Übersetzerin?) schreibt sehr sachlich, aber keineswegs trocken. Die Sprache ist einfach gehalten, ich jedenfalls, hatte keine Mühe beim Lesen. Schön wäre vielleicht noch etwas mehr persönliche Note. Vielleicht war sie da und ist dann der Übersetzung zum Opfer gefallen. Das schadete aber meiner Lesefreude nicht. Schon die Erläuterung, was denn nun ein Scanner sei, weckte in mir Erinnerungen, die bis in meine Kindheit führen. Ich war erstaunt! Gut, ich hatte über das Internet schon ein paar Dinge erfahren. Das mit dem Wissensdrang zum Beispiel. Aber in diesem Buch werden auch die alltäglichen Probleme beschrieben, die mit der Vielseitigkeit zusammenhängen. Stück für Stück setzte sich so ein Bild zusammen, auch von mir selbst. Ich erkannte mich in vielen Dingen wieder und war hin- und hergerissen, ob der Frage, ist dies nun ein Segen oder ein Fluch? Ich wurde mit dieser Frage aber nicht lange allein gelassen. In kleinen Schritten kamen dann die ersten Hilfen, das Gedankenchaos zu ordnen. Dabei sticht eines heraus, das Schreiben! Alles aufschreiben, aber nicht irgendwie, irgendwo, so hab ich es bisher gemacht, sondern wohlsortiert in Projektbüchern oder Ideenbüchern. Das können auch Schachteln sein, wo alles gesammelt wird: Zeitungsartikel, kleine Erinnerungsstücke, alles was zum Projekt gehört.

Der Werkstattplan ist auch so ein interessantes Hilfsmittel. Ausgehend von der Theorie, dass ein Scanner seine Ideen in der gesamten Wohnung verteilt, soll man sich deren Standort notieren. Ich gestehe, das habe ich noch nicht gemacht, das dürfte mir zu lange dauern. Wäre ja bei mir schon ein eigenes Projekt! Wer lieber Listen mag, kann sich halt welche zu seinen Aktivitäten machen. Dann gibt es, unter anderem, noch einen speziellen Wandkalender. Kurzum, eine nette Sammlung von Möglichkeiten, dem eigenen Leben mehr Struktur zu verleihen. Das Ziel dabei ist auch sich selbst darüber klar zu werden, was man alles schon so geschafft hat, trotz des vermeintlichen Chaos. Feine Sache. Dann folgen ein paar Kapitel über Ängste und Krisen und wie man sie überwinden kann. Zum Beispiel, dass viele Projekte vor dem Höhepunkt schon abgebrochen wurden. Daraus kann die Angst entstehen, dass es mit jedem zukünftigen Projekt genauso passieren kann. Weshalb man das vielleicht schon nicht mehr anfangen möchte. Die Erkenntnis, dass diese „abgebrochenen“ Projekte eben genau dann beendet waren, kam mir einer Erleuchtung gleich. Ich habe schon oft an mir gezweifelt, weil ich scheinbar vieles nicht zu Ende gebracht habe. Man hat erreicht, was man wollte. Ganz einfach. Was das dann war, muss jeder für sich selbst herausfinden. In meinem Fall, ist es oft das „gewusst wie“ gewesen. Das habe ich aber erst nach dem Studium der einzelnen Scanner-Typen in Teil 2 herausgefunden. Ich war schon ein bisschen überrascht wie viele verschiedene Typen da aufgelistet sind.

Tja, damit jetzt den eigenen Typ erkennen ist nicht wirklich einfach, denn diese Auflistung ist ja nur eine grobe Einteilung. Ich habe mich in mehreren der Profile wiedergefunden, und das in unterschiedlicher Ausprägung. Es kann durchaus sein, dass der eine oder andere Leser sich in allen Typen wiederfindet.

Meine Empfehlung:

Alle Typenbeschreibungen genau studieren. Vor allem aber die Tipps zur eigenen Organisation, denn die können helfen. Und das unabhängig davon, welchem Scanner-Typus sie von der Autorin zugewiesen wurden. Das ist meiner Meinung nach die größte Stärke dieses Buches: Schöne Ansätze zum Erkennen der eigenen Wünsche und gute Tipps, was man dann daraus machen kann. Wer mehr darüber wissen will, was Scanner sind und was sie antreibt, hat mit diesem Buch eine gute Übersicht für den Anfang. Mir gefallen vor allem die praktischen Lösungsansätze für viele Alltagsprobleme. Sowas habe ich gesucht.

Wer tiefe psychologische Zusammenhänge sucht, der wird in diesem kleinen Buch nur wenig finden. Es ist ja auch nicht das einzige Buch zu diesem Thema auf dem Markt. Ich jedenfalls bereue den Kauf nicht und freue mich auf die gerade erst begonnene Entdeckungsreise mit meiner Persönlichkeit.

Ach ja, ich empfinde diese Gabe inzwischen doch eher als ein Segen. Probleme ergeben sich nur zusammen mit meiner Sensibilität. Dass ich oft nicht so agieren und lernen kann, wie ich möchte. Doch das ist ein anderes Thema.

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